80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-L19830 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons

Einladung zur Konferenz

„Aus dem Schatten der Erinnerung. Spurensuche zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion - in Niedersachsen“

Anlässlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion und damit dem Beginn eines der größten Menschheitsverbrechen, führt die VVN-BdA Niedersachsen
am Sonnabend, 3. Juli 2021
im Kulturzentrum Pavillon (Großer Saal), Lister Meile 4, 30161 Hannover,
eine Konferenz mit dem oben genannten Titel durch.
Beginn: 11:00 Uhr, Ende gegen 16:00 Uhr *

Als Referenten:innen, Moderatoren:innen und Diskussionsteilnehmer:innen sind dabei:
Hannes Heer, Publizist
Dr. Rolf Keller, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Vera Hilbich, Autorin
Andreas Ehresmann, Leiter Gedenkstätte Lager Sandbostel
Katja Seybold, Gedenkstätte Bergen-Belsen
Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR
Frank Heidenreich, IG Metall Bildungszentrum Berlin
Lühr Henken, Sprecher Bundesausschuss Friedensratschlag
Andreas Nolte, Landesprecher der VVN-BdA
Mechtild Hartung, Landessprecherin der VVN-BdA

S.E. Sergej J. Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation, ist eingeladen bzw. angefragt.
Künstlerische und kulturelle Beiträge von Rolf Becker, Tobias Kunze, Chor Agitprop.

Nach der Begrüßung durch einen Vertreter der VVN-BdA Niedersachsen und dem Grußwort des Botschafters oder eines Vertreters der Russischen Föderation wird Hannes Heer zum Thema „Vernichtungskrieg im Osten – Die Wehrmacht beim Völkermord“ über die Einmaligkeit und Bedeutung des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und die Folgen sprechen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit – Tat- und Gedenkorte in Niedersachsen nach dem 22. Juni 1941“ sein, an der Vertreter:innen der niedersächsischen Forschungseinrichtungen und von Gedenkstätten teilnehmen werden. Ein weiterer Vortrag von Frank Heidenreich behandelt den Umgang der Gewerkschaften mit dem Thema Vernichtungskrieg im Osten. Zur aktuellen Entwicklung im Kontext der Geschichte nimmt Lühr Henken in einem abschließenden Statement zur dringenden Notwendigkeit von konkreten Schritten zur Abrüstung und guten Beziehungen zu Russland Stellung. Das Programm wird durch kulturelle Beiträge ergänzt.


Anmeldung Teilnahme:

Wegen der weiterhin geltenden Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wird die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt sein.

Anmeldungen bitte ab sofort an die E-Mail-Adresse buero@vvn-bda-niedersachsen.de oder an die Postadresse VVN-BdA, Rolandstr. 16, 30161 Hannover. Anmeldeschluss ist der 1. Juli 2021. Die Berücksichtigung der Anmeldungen findet nach ihrem Eingang statt.

*Tagungsgetränke wie Kaffee, Tee und Mineralwasser werden kostenlos bereit gestellt. In der Mittagspause wird ein kostenloser Imbiss angeboten.


Zeitplan der Konferenz

Zeitplan als PDF herunterladen

Einlass Publikum
ab 10:15 Uhr
Musikalisch-Akustische Einstimmung
Anfangszeiten
11:00 Uhr - Beginn Begrüßung: Mechthild Hartung und Andreas Nolte
ca. 11:10 Uhr Einleitung - Andreas Nolte
11:25 Grußwort der Botschaft der Russischen Föderation (angefragt)

Gedenkminute
11:40 Lied Chor Agitprop
11:45 Hannes Heer (Einführungsvortrag):
„Vernichtungskrieg im Osten – Die Wehrmacht beim Völkermord“
12:30 Nachfragen und Diskussion
12:50 Poetischer Beitrag von Tobias Kunze
13:00 – 13:30 Uhr Mittagspause (mit Imbiss)
(Umbaupause Pavillon)
13:30 Lied Chor Agitprop
13:35 „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit – Tat- und Gedenkorte in Niedersachsen nach dem 22.Juni 1941“
Podiumsdiskussion mit folgenden Teilnehmer:innen:
Dr. Rolf Keller, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Andreas Ehresmann; Leiter Gedenkstätte Lager Sandbostel
Vera Hilbich, Autorin „Der ‚Friedhof der Namenlosen‘ in Oerbke“
Katja Seybold, Kuratorin Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen
Moderation: Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR
14:55 Poetischer Beitrag von Tobias Kunze
15:00 Pause
15:15 Beitrag von Rolf Becker
15:35 Frank Heidenreich, IG Metall BZ Berlin
„Der Umgang der Gewerkschaften mit dem Thema Vernichtungskrieg im Osten“
15:50 Lühr Henken
„Die Kriegsgefahr bannen – Aufrüstung stoppen – Schritte zur Abrüstung - Jetzt!“
16:05 Ausblick
16:15 Lied Chor Agitprop
(Abschluss der Veranstaltung)

„Der Faschismus ist besiegbar“

Veranstaltungen in Niedersachsen anlässlich des Tags des deutschen Überfalls

Das Gedenken an den 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion wurde und wird in diesen Tagen in zahlreichen Gemeinden Niedersachsens in Form von Veranstaltungen und Kundgebungen umgesetzt. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich am eigentlichen Tag des Überfalls, am 22. Juni, unter anderem in der Gedenkstätte Lager Sandbostel, in Lüneburg, Aurich, Emden, Oebke, Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, Peine, Salzgitter, Goslar, Göttingen und Osnabrück an Veranstaltungen der VVN-BdA e.V. sowie ihrer befreundeten Organisationen.


In den Veranstaltungen (u.a. Vorträge, Ansprachen, Kranzniederlegungen, Videokonferenzen und weitere Formen des Gedenkens) wurde unter anderem an Einzelschicksale von Kriegsgefangenen sowie an die massenweise Ermordung sowjetischer Soldaten und Zivilisten erinnert. Niedersachsen spielte schon bei der Vorbereitung des Angriffskrieges gegen die Sowjetunion, sowie bei der späteren Ausbeutung und Ermordung von Millionen von Menschen eine unrühmliche Rolle. Daraus ergibt sich für die Landesvereinigung Niedersachsen der VVN-BdA e.V. eine ganz besondere Aufgabe, sich mit Gedenken und Geschichtsrevisionismus auseinander zu setzen.

Mehrere hundert Menschen beteiligten sich am 22. Juni unter anderem in den nachfolgenden Orten an Veranstaltungen der VVN-BdA oder mit ihrer Beteiligung.

Sandbostel

Bei der Gedenkfeier auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Sanbostel erklärte Andreas Nolte, Landessprecher der VVN-BdA Niedersachsen, dass es für seine Organisation heute darum gehe, „aktiv zu bleiben oder zu werden gegen Rechtsterroristen und Faschisten“. Außerdem müsse man sich gemeinsam öffentlich gegen die weitere Aufrüstung und Militarisierung wehren. „Ein wichtiger Schritt zur Abrüstung wäre das sofortige Einfrieren des Rüstungshaushaltes, denn die weitere Ausdehnung erhöht stetig die Kriegsgefahr“, so Nolte. Vertrauensbildende Maßnehmen müssten wieder das Gebot der Stunde werden, beispielsweise durch die Aussetzung und Beendigung jeglicher NATO-Manöver in der Nähe zu Russland.

Ganz aktuell forderte der Sprecher der VVN-BdA Niedersachsen, nach den Vorfällen rund um die Panzergrenadiere einer Kampfeinheit mit Heimatstandort im niedersächsischen Munster bei einem Übungseinsatz in Litauen, die am 20. April „Führers Geburtstag“ feierten und wohl auch den Hitlergruß gezeigt haben sollen, die sofortige Entlassung der betroffenen Bundeswehr-Zeit-Soldaten. Auch die weiterhin völlig abgeschottete Elitebrigade „Kommando Spezialkräfte“ müsse aufgelöst werden.

Lüneburg

Im Lüneburger Museum folgten 40 Besucher/innen (mehr waren wegen Corona nicht zugelassen) mit Spannung den Vorträgen der örtlichen VVN-BdA-Mitglieder. Peter Gunkel erläuterte, warum es sich um einen verbrecherischen Angriffskrieg der Deutschen handelte. Peter Raykowski und Thorben Peters informierten über die Mitschuld verschiedener Regimenter aus Lüneburg am Massenmord im Osten und anderen Orten der Welt. Hans-Jürgen Brennecke gab noch einen Einblick über das sogenannte „Russengrab“ in Reppenstedt. Zwei Frauen kritisierten im Anschluss an die Vorträge, dass die Bezeichnung „Russengrab“ nicht nur abfällig, sondern auch falsch sei, da die angegriffene Sowjetunion nicht ausschließlich aus Russland bestand. Die VVN-BdA Lüneburg plant, ihre Beiträge als Druckwerk zu veröffentlichen und eine Fortsetzung der Vorträge anzubieten.

Emden

An der Ehrung in Emden am Grabstein für sieben gestorbene Zwangsarbeiterkinder und bei einem weiteren Gedenkort für fünf gehängte Zwangsarbeiter nahmen Mitglieder der VVN-BdA Ostfriesland teil. In Aurich-Tannenhausen, wo 236 Kriegsgefangene begraben sind, sprach Sonja Ryll, zweite Vorsitzende der VVN-BdA Ostfriesland, auf einer Kundgebung. Sie erinnerte daran, dass der zweite deutsche Völkermord an den „slawischen Untermenschen“, wie Adolf Hitler sie nannte - fast vollständig ausgeblendet wird. „Kriege haben eine Eigenheit. Sie kehren immer an den Ausgangspunkt zurück. Mit der Befreiung ihres eigenen Landes zeigten sie (die sowjetischen Soldaten - RED) der Welt: Der Faschismus ist besiegbar.“

Oerbke

Am 27. Juni fand in Oerbke bei Bad Fallingbostel auf dem sowjetischen Kriegsgefangenen-Friedhof eine Bündnisveranstaltung mit der VVN-BdA Celle statt, auf der u.a. der Schauspieler Rolf Becker sprach.

Hannover

In Hannover legte die VVN-BdA auf dem Seelhorster Friedhof, wo in den letzten Kriegstagen Zwangsarbeiter erschossen wurden, ein Gesteck nieder. Reinhold Weismann-Kieser aus dem Kreisvorstand wies in einer Rede unter anderem darauf hin, dass noch heute eine Art „Heldenverehrung“ von SS-Einheiten stattfindet, wie er kürzlich an einem Weltkriegsdenkmal in Hannover feststellen musste, an dem auch an eine SS-Einheit erinnert wird. Agnes Hasenjäger vom Friedensbüro kritisierte das NATO-Manöver „Defender Europe“ an den Grenzen zu Russland. „Will jemand sich wundern, dass Russland dies als Bedrohung empfand? Für Russland entsprach das doch der Lage während der Kubakrise, als die USA kein Militär des Warschauer Paktes vor seiner Küste dulden wollten“, so die Friedensaktivistin. „Als Friedensbewegung haben wir also drei Aufgaben: 1. der Hetze gegen Russland entgegentreten. 2. sachliche Informationen über reale Machtverhältnisse sind dabei ein wichtiges Mittel. Es weiß eben nicht jeder, wie oft die Rüstungsausgaben der NATO das Mehrfache sind gegenüber Russland und China. 3. und schließlich müssen wir den Rüstungsanstrengungen dieser – und jeder zu erwartenden Bundesregierung – entgegentreten“, so forderte Hasenjäger. „Der Krieg begann schon vor den militärischen Angriffen – und zwar in den Köpfen der Menschen“, so sagte es sinngemäß Thomas Hermann, Bürgermeister der Stadt Hannover und Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Deswegen sei die Erinnerungskultur so wichtig.

Peine

In Peine nahmen die VVN-BdA und der DGB Peine den Jahrestag zum Anlass, um auf dem katholischen Friedhof, wo 34 sowjetische Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte fanden, an dieses Verbrechen zu erinnern. In seiner Begrüßung erklärte der Kreisvorsitzende der VVN-BdA, Peter Baumeister, warum es gerade seiner Organisation ein großes Anliegen sei, diesen Tag zu würdigen. „Es waren die Einheiten der sowjetischen Streitkräfte, die im Verbund der Anti-Hitler-Koalition die Hauptlast der militärischen Befreiung Europas und auch unseres Landes getragen haben“, so Baumeister.

Salzgitter

Auf dem Friedhof Jammertal in Salzgitter wurde bereits am 19. Juni an die Kriegsopfer mit einem Kranz sowie Beiträgen der IG Metall, der KZ-Gedenkstätte Drütte und des Oberbürgermeisters Frank Klingebiel gedacht. Der Kreisvorsitzender der VVN-BdA Peine, Peter Baumeister, mahnte: „Es liegt in der Verantwortung heutiger Generationen, dass niemand die Geschichte vergessen oder relativieren darf“.

Wolfsburg

In Wolfsburg hatte die VVN-BdA zu einem Gedenken auf die örtliche "Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus" eingeladen. Im Mittelpunkt standen an diesem Tag die 81 sowjetischen Kriegsgefangenen, die dort begraben liegen. Sie waren aus den „Heidelagern“ in die „KdF-Stadt“ verschleppt worden und mussten im Volkswagenwerk Zwangsarbeit leisten. „Dieses monströse Verbrechen ist in keiner Weise in die deutsche Erinnerung eingegangen. Obwohl die Publikationen über das Leben der Zwangsarbeiter im Volkswagenwerk schon seit Ende der 80er Jahre vorliegen, ist auch das Schicksal dieser 81 Opfer in der Wolfsburger Bevölkerung so gut wie unbekannt. Deswegen versammeln wir uns heute an diesem historischen Datum an diesem Ort“, betonte Alfred Hartung in seiner Ansprache. Die Teilnehmer/innen legten während des Verlesens der Namen rote Nelken auf die jeweiligen Grabstätten

Braunschweig

In Braunschweig rief ein Bündnis unter dem Motto „Für Frieden, Abrüstung und internationale Zusammenarbeit“ zu einer Kundgebung auf dem Schlossplatz mit Rede- und Musikbeiträgen auf. Außerdem gab es ein Gedenken am Ehrenmal für Zwangsarbeiter/innen sowie am 23. Juni einen Vortrag und Diskussion mit Dr. Ulrich Schneider, Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA e.V. und Generalsekretär der FIR.

Goslar

In Goslar wurde durch den Verein „Spurensuche“ und die VVN-BdA auf dem Goslarer Friedhof ein Gesteck am Mahnmal für die Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft 1933 - 1945 niedergelegt.

Osnabrück

Auf der Gedenkveranstaltung in Osnabrück wies Eveline Wefer Kamali im Namen der VVN-BdA unter anderem darauf hin, „dass wir uns dagegen verwahren, wenn z. B. mit dem Verweis auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt die Verantwortung den Opfern selbst zugewiesen wird“. Das sei eine „skandalöse Relativierung der deutschen Verantwortung für den Krieg“. In Osnabrück waren seit Kriegsbeginn bis zu 12000 Zwangsarbeiter/innen eingesetzt, so unter anderem bei der Klöckner-Werke-AG, bei Karmann (heute VW), bei der Reichsbahn und bei der Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerken (heute KME). In weiteren Lagern wurden Häftlinge im Handwerk, in der Munitionsherstellung und in der Landwirtschaft eingesetzt.

Göttingen

In Göttingen wurde bereits am 20. Juni eine Gedenkveranstaltung am Ehrenmal für einen sowjetischen Soldaten auf dem Stadtfriedhof Göttingen gedacht. Außerdem gab es eine Videokonferenz am 22. Juni mit dem Journalisten Jörg Kronauer.


Für die Mitglieder der VVN-BdA waren die diesjährigen Gedenkveranstaltungen besonders wichtig, um an das Leid der sowjetischen Opfer und die deutsche Verantwortung für die Verbrechen der Wehrmacht zu erinnern. Die Kampagne der Vereinigung anlässlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls geht unter dem Titel „Spurensuche“ weiter. Vielerorts sind Grabanlagen und Erinnerungsorte sowjetischer Opfer verwahrlost, namenlos und falsch bezeichnet. VVN-BdA-Mitglieder machen dies publik und fordern Veränderungen und beteiligen sich selbst an der nachhaltigen Aufbereitung der Gräber.

Wir werden zu unseren Aktivitäten eine Broschüre herausgeben.

Am 3. Juli findet eine Konferenz im Pavillon Hannover zu dem Thema statt, bei der Historiker wie Hannes Heer und weitere fachkundige Autor:innen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Weitere Informationen sind oben zu finden.

Fotos der Veranstaltungen folgen noch.